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ICANN-Meetings: Geschichte, Ablauf und welche Ausgaben herausragen

Wer sich länger mit Domains beschäftigt, stößt früher oder später auf die ICANN-Meetings. Für viele Außenstehende wirken sie erst einmal sperrig: viel Governance, viele Gremien, viele Abkürzungen. Tatsächlich sind diese Treffen aber einer der Orte, an denen die Richtung des Domain Name Systems sichtbar wird. Dort geht es nicht nur um technische Details, sondern um Regeln, Zuständigkeiten, Daten, Sicherheit, neue Endungen und das Zusammenspiel von Wirtschaft, Staaten und Zivilgesellschaft. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf Geschichte, Ablauf und die Meetings, die besonders herausragen.

Wie die ICANN-Meetings entstanden sind

ICANN selbst wurde am 30. September 1998 gegründet. Das erste eigentliche öffentliche ICANN-Meeting folgte im März 1999 in Singapur als ICANN01. Seitdem sind die Meetings ein Kernstück des Multi-Stakeholder-Modells von ICANN. Die Idee dahinter ist einfach, auch wenn die Umsetzung komplex ist: Entscheidungen über zentrale Fragen der Internet-Verwaltung sollen nicht hinter verschlossenen Türen fallen, sondern in einem Verfahren, an dem unterschiedliche Gruppen beteiligt sind.

Heute sind die Meetings deshalb weit mehr als reine Konferenzen. Sie sind Arbeitsplattform, politisches Forum, Treffpunkt der Community und Schaufenster nach außen zugleich. Wer nur auf Domaining oder einzelne TLDs schaut, unterschätzt leicht, wie viel Grundlagenarbeit dort stattfindet, die später den gesamten Domainmarkt berührt.

Wie läuft ein ICANN-Meeting typischerweise ab?

Nach der heutigen Meeting-Strategie veranstaltet ICANN drei öffentliche Meetings pro Jahr, verteilt über verschiedene Weltregionen. Das aktuelle Modell wurde vom Board 2014 beschlossen und ab 2016 umgesetzt. Seitdem unterscheidet ICANN zwischen drei Formaten: Community Forum, Policy Forum und Annual General Meeting (AGM).

Das Community Forum ist das erste Meeting im Jahreszyklus und findet typischerweise im Februar oder März statt. Es dauert sechs Tage und gibt den Supporting Organizations und Advisory Committees viel Raum für interne Arbeit, Austausch untereinander und Plenarsitzungen zu Themen, die die ganze Community betreffen.

Das Policy Forum ist das zweite Meeting des Jahres, meist im Juni. Es ist kompakter und stärker auf konkrete Policy-Arbeit zugeschnitten. Genau hier wird oft besonders intensiv an laufenden Verfahren gearbeitet. Das Format ist bewusst schlanker, es gibt keine Public Forums und keine Board Meetings. Wer sich für die eigentliche Detailarbeit der ICANN-Prozesse interessiert, findet hier oft den konzentriertesten Blick auf das, was gerade in Bewegung ist.

Das AGM ist das dritte Meeting im Jahreslauf und funktioniert etwas breiter. Neben der Gremienarbeit hat es auch eine Schaufensterfunktion für die Organisation insgesamt. Hier geht es stärker um Sichtbarkeit, Capacity Building, Leadership-Themen und Übergänge in Gremien. Zudem nehmen neue Mitglieder des ICANN-Boards dort ihre Sitze ein.

Wichtig ist: ICANN-Meetings sind keine Messe im klassischen Sinn. Sie sind eher eine Mischung aus Arbeitskongress, Governance-Forum und internationalem Branchentreffen. Ein durchschnittliches Meeting verarbeitet nach ICANN-Angaben mehr als 200 Einreichungen für Programmpunkte und läuft mit bis zu zwölf parallelen Sessions über vier bis sechs Tage. Wer dort teilnimmt, erlebt also nicht ein einziges Programm, sondern viele ineinandergreifende Arbeitsstränge.

Wann findet das nächste ICANN-Meeting statt?

Das nächste bereits offiziell im ICANN-Kalender gelistete Meeting ist das ICANN86 Policy Forum in Seville, Spanien, vom 8. bis 11. Juni 2026. Es ist als hybrides Meeting angekündigt, also mit Vor-Ort- und Online-Teilnahme. Danach folgen im offiziellen Kalender bereits das ICANN87 Annual General Meeting vom 17. bis 22. Oktober 2026 in Muscat und das ICANN88 Community Forum vom 13. bis 18. März 2027 in Lissabon.

Welche ICANN-Meetings stechen besonders heraus?

ICANN01 in Singapur 1999 sticht heraus, weil dort das erste öffentliche Meeting des Formats stattfand. Rückblickend ist das der eigentliche Startpunkt der späteren Meeting-Kultur.

ICANN04 in Los Angeles 1999 ist bemerkenswert, weil dort die erste Annual General Meeting stattfand. Damit bekam der Jahresrhythmus der Meetings früh eine Struktur, die bis heute erkennbar geblieben ist.

ICANN02 in Berlin 1999 ist aus deutscher Perspektive besonders interessant. Schon wenige Monate nach Singapur war Berlin Gastgeber. Das zeigt, wie früh der europäische Raum in die ICANN-Meeting-Geografie eingebunden war. Für die deutschsprachige Domainwelt ist das rückblickend ein wichtiger Marker.

ICANN55 in Marrakesch 2016 ragt heraus, weil das Board dort die IANA Stewardship Transition und die zugehörigen Accountability-Empfehlungen billigte. Das war einer der entscheidenden Schritte in einem der wichtigsten institutionellen Übergänge der ICANN-Geschichte.

ICANN67 im März 2020 bleibt in Erinnerung, weil es das erste ICANN Public Meeting war, das wegen der COVID-19-Pandemie nur mit Remote-Teilnahme stattfand. Damit veränderte sich nicht nur kurzfristig die Durchführung, sondern dauerhaft auch die hybride Arbeitsweise der Organisation.

ICANN78 in Hamburg 2023 sticht heraus, weil dort die 25. Annual General Meeting stattfand und damit ein Jubiläumsmarker in Deutschland lag. Für einen deutschsprachigen Blick auf ICANN ist das eine der sichtbarsten neueren Ausgaben.

Warum diese Meetings wichtig bleiben

Die ICANN-Meetings sind nicht deshalb wichtig, weil dort jede große Entscheidung mit einem Schlag fällt. Ihre Bedeutung liegt eher darin, dass sich dort Entwicklungen verdichten. Wer verstehen will, wohin sich Registrierungspolitik, WHOIS- beziehungsweise Registration-Data-Fragen, neue TLD-Runden, DNS-Sicherheit oder globale Zuständigkeiten bewegen, bekommt dort die klarsten Signale.

Für Domainer und Branchenbeobachter ist das nicht immer sofort spektakulär, aber oft strategisch relevant. Vieles, was später den Markt beeinflusst, wirkt auf einem Meeting zunächst wie Gremienroutine. Erst im Rückblick merkt man, dass genau dort die Weichen gestellt wurden.

Fazit

ICANN-Meetings sind keine klassischen Branchenkonferenzen, sondern der Arbeitsraum eines globalen Systems. Gerade deshalb lohnt sich der Blick dorthin. Die Geschichte reicht von den frühen Treffen 1999 bis zu den heutigen hybriden Großveranstaltungen mit klar gegliedertem Jahreszyklus. Wer nur ein paar markante Stationen sucht, sollte sich Singapur 1999, Berlin 1999, Marrakesch 2016, das virtuelle ICANN67 von 2020 und Hamburg 2023 ansehen. Zusammen erzählen sie ziemlich gut, wie sich ICANN und seine Meeting-Kultur entwickelt haben.

Quellen

  • ICANN Public Meetings: About ICANN Meetings
  • ICANN Public Meetings: Meeting Strategy
  • ICANN Public Meetings: Calendar & Archives
  • ICANN in History: Timeline
  • ICANN86 Policy Forum

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Christian Kerschbaum
Rechtsanwalt und
Fachanwalt für IT-Recht


Rechtsanwalt Christian KerschbaumRechtsanwalt Christian Kerschbaum ist als Fachanwalt für Informationstechnologie-recht auf das IT-Recht spezialisiert. Seine Tätigkeit umfasst das Domainrecht, das Urheberrecht, das Medienrecht, das Werberecht sowie das Softwarerecht und das Wettbewerbsrecht.


Kostenlose Anfrage

Als Fachanwalt für IT-Recht betreut er Unternehmen, unterstützt zahlreiche Online-Shops (Erstellung von AGB (B2C und B2B), Widerrufsbelehrung, Shopprüfung) und hilft bei Abmahnungen. Er vertritt Mandanten bei gerichtlichen Domainstreitigkeiten und erstellt Domainverträge (Domainkauf / Domainverkauf / Domainpacht).

Rechtsanwalt und Fachanwalt Kerschbaum ist zudem als Dozent in der Fachanwaltsausbildung für den Fachanwalt für IT-Recht tätig und unterrichtet angehende Fachanwälte u.a. in den Bereichen Domainrecht, Haftung für Inhalte und Softwarerecht. Er hält seit über 20 Jahren Vorträge auf nationalen und internationalen Fachkonferenzen.

Fachanwalt Christian Kerschbaum ist bereits seit 1996 im Bereich der Informationstechnologie selbstständig (anfangs Computerbau, Netzwerktechnik, Support und Computer-vor-Ort-Service). Nach fünfjähriger Erfahrung als geschäftsführender Gesellschafter einer Marketing- und Internetagentur kann er sich optimal in die Situation seiner Mandanten hineinversetzen.

Rechtsanwalt Kerschbaum war über 10 Jahre lang Moderator bei Deutschlands größtem Domainforum (consultdomain.de) und hat Erfahrung mit Domaintransaktionen im vier- bis sechsstelligen Eurobereich. Seine Mandanten (u.a. Webhoster, Registrare, Domainhändler und Domainentwickler) verwalten Domains im (geschätzt) siebenstelligen Bereich.

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