Das Domainvermarkterforum war viele Jahre einer der prägenden Treffpunkte der deutschsprachigen Domainer-Szene. Die Reihe war weder Messe noch loses Community-Treffen, sondern eine Fachkonferenz mit klarer Zielgruppe: Domainhändler, Vermarkter, Parking-Anbieter, Registrare, Juristen und alle, die mit Domains ihr Geld verdienten oder den Markt sehr genau beobachteten. Wer verstehen will, wie professioneller Domainhandel in Deutschland in den späten 2000er Jahren aussah, landet fast zwangsläufig beim Domainvermarkterforum.
Wie begann das Domainvermarkterforum?
Die erste Ausgabe fand am 25. Februar 2006 in Düsseldorf statt. Noch im selben Jahr folgte mit München 2006 bereits die nächste Veranstaltung. Spätestens damit war klar, dass hier keine einmalige Tagung ausprobiert wurde, sondern eine Reihe entstehen sollte. Danach zog das Domainvermarkterforum fast im Jahresrhythmus weiter durch große deutsche Städte und machte Station in Hamburg, Berlin, Köln, München, Hamburg und zum Schluss noch einmal in Düsseldorf.
Sauber dokumentiert ist die Reihe von 2006 bis 2012. In diesen Jahren wurde das Domainvermarkterforum zu einem festen Termin für alle, die in Deutschland professionell mit Domains arbeiteten. Auf den archivierten Veranstalterseiten wird die Konferenz mehrfach als die größte und bedeutendste deutsche Veranstaltung für Domainer beschrieben. Selbstbewusst formuliert war das durchaus, zur Rolle der Reihe hat es aber gut gepasst.
Wie lief das Domainvermarkterforum typischerweise ab?
Das Format war klar erkennbar: Meist handelte es sich um eine Zwei-Tage-Konferenz. Der erste Tag begann mit Anreise, Anmeldung, Begrüßung und Keynote. Danach folgten Vorträge, Panels und Diskussionsrunden zu genau den Themen, die die Szene damals beschäftigten: Domainhandel, Domainparking, Traffic, Vermarktung, Domainrecht, Auktionen und Marktbewegungen.
Am Abend ging die Konferenz in einen informelleren Teil über. Mal hieß das schlicht Domainabend, mal bekam das Treffen einen lokal gefärbten Titel wie Bayerischer Abend. Gerade dieser Teil war für viele Teilnehmer wichtig. Dort wurden Kontakte gepflegt, Gespräche vertieft und Geschäfte angebahnt, oft entspannter als am Rednerpult.
Der zweite Tag war in der Regel noch etwas praktischer angelegt. In den archivierten Programmen finden sich Workshops, weitere Fachvorträge und am Nachmittag der Programmpunkt, der das Domainvermarkterforum besonders deutlich von anderen Veranstaltungen abhob: die Live-Versteigerung von Domainnamen.
Was machte die Reihe besonders?
Genau diese Verbindung aus Fachkonferenz und Live-Auktion gab dem Domainvermarkterforum sein eigenes Profil. Auf der Berliner Programmseite von 2008 wird hervorgehoben, dass es damals die erste und einzige Veranstaltung in Deutschland mit einer solchen Live-Domainversteigerung war. Die Auktion wurde von Sedo betreut, als Auktionator ist Klaus Gräber genannt.
Das war mehr als ein Show-Effekt. Die Konferenz blieb dadurch sehr nah am Markt. Es ging nicht nur darum, über Domains zu reden, sondern Domains konkret zu bewerten, zu handeln und ihre wirtschaftliche Bedeutung sichtbar zu machen. Genau das macht die Reihe im Rückblick so interessant: Sie war nah an der Szene, nah am Geschäft und deutlich fokussierter als viele allgemeinere Digitalkonferenzen.
Welche Ausgaben stechen besonders heraus?
Düsseldorf 2006 sticht heraus, weil dort alles begann. Die erste Ausgabe war noch kompakter als die späteren Treffen, aber hier zeigte sich bereits, dass es in Deutschland Platz für eine eigene Domainer-Fachtagung gab.
München 2006 ist interessant, weil sich dort die spätere Handschrift der Reihe schon deutlich abzeichnet. Im Programm finden sich bereits Paneldiskussionen, Domainparking, Domainrecht und ein eigener Abendteil. Spätestens hier wirkte das Domainvermarkterforum wie eine professionelle Serie und nicht mehr wie ein einzelner Versuch.
Berlin 2008 ist besonders anschaulich, weil sich das archivierte Programm fast wie ein Musterbeispiel liest: Anreise, Begrüßung, Keynote, Fachvorträge, Domainabend, Workshops und am zweiten Tag die Live-Auktion. Wenn man den Charakter der Reihe an einer einzigen Ausgabe zeigen will, eignet sich Berlin 2008 dafür besonders gut.
Köln 2009 dürfte die spektakulärste Ausgabe gewesen sein. Laut offizieller Rückschau endete das fünfte Domainvermarkterforum mit der größten deutschen Live-Versteigerung von Domainnamen. Mehr als 70 Domains wurden in rund drei Stunden versteigert, die Gesamtsumme lag bei über 180.000 Euro. Deutlicher ließ sich die Nähe zwischen Konferenz und echtem Domainmarkt kaum zeigen.
Hamburg 2011 steht für die reife Phase der Reihe. Zu diesem Zeitpunkt war das Domainvermarkterforum längst kein neues Format mehr, sondern ein etabliertes Branchentreffen mit festen Sponsoren, klarer Zielgruppe und einem Publikum, das ziemlich genau wusste, warum es dort sein wollte.
Warum gibt es das Domainvermarkterforum nicht mehr?
Eine offizielle Abschiedserklärung lässt sich in den heute noch verfügbaren Quellen nicht mehr sauber greifen. Belegbar ist aber: Die Reihe ist bis Düsseldorf 2012 dokumentiert, danach endet die offizielle Spur. Die Domain domainvermarkterforum.de ist heute keine Konferenzseite mehr, sondern geparkt.
Alles Weitere ist deshalb eher eine vorsichtige Einordnung als eine eindeutige Antwort. Viel spricht dafür, dass sich der Markt nach 2012 spürbar verändert hat. Parking- und Traffic-Modelle verloren an Gewicht, Gespräche verlagerten sich in kleinere Formate oder in andere Konferenzen, und die Szene selbst wurde breiter und zugleich zersplitterter. Für eine sehr fokussierte Spezialkonferenz wie das Domainvermarkterforum dürfte es damit schwieriger geworden sein, dieselbe Rolle weiterzuspielen wie noch einige Jahre zuvor.
Auch der Blick auf die Beteiligten passt zu diesem Bild. Auf seiner heutigen Seite beschreibt Christoph Grüneberg sich rückblickend als mehrfachen Veranstalter des wichtigsten deutschsprachigen Treffens für Domainer. Das klingt eher nach einem abgeschlossenen Kapitel als nach einer Reihe, die im Hintergrund einfach weiterlebt.
Fazit
Das Domainvermarkterforum war mehr als nur ein weiterer Termin im Kalender. In seiner stärksten Phase war es ein sehr präziser Treffpunkt für die deutschsprachige Domainer-Szene: fachlich dicht, geschäftsnah und mit einer Live-Auktion, die der Veranstaltung ein eigenes Profil gab. Wer verstehen will, wie professioneller Domainhandel in Deutschland zwischen 2006 und 2012 aussah, bekommt hier einen ziemlich klaren Eindruck.
Gerade deshalb bleibt die Reihe bis heute in Erinnerung. Das Domainvermarkterforum war stark mit seiner Zeit verbunden, und vielleicht lag genau darin auch seine besondere Qualität.
Quellen
- Wayback: erste Domainvermarkter-Tagung 2006 in Düsseldorf
- Wayback: Tagungsprogramm Domainvermarkterforum 2006 München
- Wayback: Tagungsprogramm Domainvermarkterforum 2008 Berlin
- Wayback: Domainvermarkterforum 2010 mit Rückblick auf Köln 2009
- Wayback: Domainvermarkterforum 2011 Hamburg
- Wayback: Domainvermarkterforum 2012 Düsseldorf
- Christoph Grüneberg: heutige Profilseite
- aktueller Status der Domain domainvermarkterforum.de